Archive für 30.7.2008

Ende der “One-Man-Show”

“Wenn man denkt es geht nicht mehr - kommt von irgendwo ein Lichtlein her” (Zitat: Oma Binder’s Hausflur-Wandtafel)

Als ich mich letztes Wochenende mal wieder alleine auf die Suche nach einem kleinen Abenteuer begeben habe, da hat sich meine Situation eines knallharten Einzelgaengers ganz unerwartet und ohne Vorankuendigung zum Besseren gewandt.

Auf der Faehre nach Lamma-Island bat ich meinen Sitznachbarn um einen Tipp, wie man denn den Tag auf dieser kleinen Insel am besten verbringen koenne, da ich erstens tatsaechlich keine Ahnung hatte und zweitens grosse Langeweile waehrend der Ueberfahrt verspuerte. Die Antwort war zunaechst einfach und nicht gerade vielversprechend. “Dont know -  never been there before” sagte der Mann der neben mir sass. Er trug eine Schildmuetze von Nike, eine Armbanduhr von Adidas, Nike-Air-Max Schuhe, eine kurze graue Hose und ein gruenes T-Shirt.

Ein paar Minuten spaeter, ich hatte den ersten Kontakt innerlich schon abgehakt, da fragte mich dieser Mann, der mir ca. 10 Jahre aelter zu sein schien, was ich denn hier in Hong Kong machen wuerde, nach meiner Arbeit etc. pp..

Aus dieser Frage ergaben sich dann im folgenden Gespraech ettliche Gemeinsamkeiten:

1. beide taetig in der Logistikbranche (Geodis und Streck)

2.seit Wochen gehen wir alleine in Bars und dann nach 2 Bier, so gegen 22 Uhr, wieder nach Hause

3. die scheinbar mangelnde Faehigkeit der Chinesen sich ihre Zaehne zu putzen, was sich in schlimmsten Verfaerbungen und den rotesten und entzuendetsten Zahnfleischen der Welt widerspiegelt, ekelt uns an

4. das chin. Essen haengt uns langsam aber sicher zum Hals raus

5. manche Chinesen kann man einfach nicht verstehen wenn sie versuchen Englisch zu sprechen, und es liegt wohl doch nicht an uns

6. unsere chin. Kollegen laden uns fuer das Wochenende immer zu irgendwelchen Events ein, die dann aber doch nicht stattfinden, so dass man im Endeffekt wieder alleine in Hong Kong ist und um 22 Uhr, nach 2 Bier nach Hause geht

und die wichtigste Gemeinsamkeit

7. wir waren beide auf der Suche nach Jemandem, mit dem man mehr als 1 Bier trinken kann, ohne diesen sturzbesoffenen Jemand dann nach Hause schicken zu muessen, um dann wieder alleine die restlichen 3 - 4 Bier zu trinken und dann um 22 Uhr nach Hause zu gehen.

Den Tag auf Lamma Island verbrachten wir gemeinsam. Ich hatte die gloreiche Idee ein Mal ueber die Insel zu wandern, da in meinem Resefuehrer diese Route als suuper schoen und sehenswert beschrieben wurde.

Der Autor schien ein blinder Bergsteiger gewesen zu sein.

Erstens war der Weg scheisse anstrengend zu bewaeltigen, da lang, ueber den Berg und in der prallen Hitze. Und zweitens blieb uns der Zugang zur “wunderbaren Natur” verschlossen. Es sei denn dass man Abwasserrohre, kleine Gammelbaracken und Muell zur Natur zaehlt.

Am anderen Ende der Insel angekommen warteten wir dann auf die Faehre.

Im Gespraech kamen wir dann auf Punkt 7 zurueck und so tranken wir, auf die Faehre nach Hong Kong wartend, und erstes gemeinsames Bierchen.

Dann noch 2 schnelle Bier und ab auf die Faehre.

Den Abend verbrachten wir gemeinsam in Hong Kong, haben viel miteinander geredet, gegessen, getrunken, gelacht und diskutiert. Um 5 Uhr morgens war ich wieder in meinem Bett.

Resumee: Ich habe einen Leidensgefaehrten gefunden.

P.s.: Falls mir was zustossen sollte: Er heisst Fabiano, 31, weisser Brasilianer aus Sao Paulo, einen halben Kopf kleiner als ich und in den ersten Tagen auf jeden Fall sehr nett und fuer jeden Hong Kong Bewohner ein willkommener Begleiter.

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